Stiftung Jesus-Christus-Kirche 

Inschrift der Grabplatte

Ergänzungen in [ ]

ANNO 1757 D 14 NOV ANNO 1777 D 14 MEY

IST DER HOCHWOHL IST DIE HOCHWOHLGE

GEBORENE FREYHER BOHRNE FREY FRAV

FRIEDRICH SIGISMVND CHRISTINE ISABELLE

VON NIEVHOFF GENAND SOPHIE THEODORE VON

LEY HERR ZV LIST= NEVHOFF GENANT LEY

RINGHAVSEN SELBACH GEBOHRENE FREYIN VON

VND LIBBERHAVSEN DER MARCK SELIG IM

SELIG IM HERREN ENT HERREN ENTSCHLAF

SCHLAFFEN VND DEN FEN VND DEN 17 TEN

21 EJVSD HIE HIN EJVSDEN HIEHIN BEI

EIGESETZET WORDEN GES [SETZT WORDEN]

Info zu den beiden Verstorbenen:

Friedrich Sigismund von Neuhoff gen. Ley, Herr zu Listringhausen, Neuenhaus, Lieberhausen und Selbach wurde am 10. September 1685 zu Listringhausen geboren.

Er heiratete im Dezember 1715 die Hochwohlgeborene Christina Isabella Sophia Theodora von der Mark vom Hause Billgest (jetzt Villigst). Seine Frau war die Tochter des Drosten zu Schwerte Friedrich von der Mark.

Am 28. November 1726 wurde er bei der märkischen Ritterschaft aufgeschworen [er musste den Nachweis adeliger Vorfahren erbringen].

Das Paar hatte drei Kinder, von denen nur der jüngste Sohn Dietrich Friedrich Wilhelm überlebte.

ANNO [1683 DEN 15] IVNI VND 12 IVLI

SIND IM HERR[N ENTSCHL]AFFEN FRIEDRICH

KNOCHE SCHEFFE [VND KIR]CHMEYSTER ALH

IER S ALTER 49 IAHR VND DI[E] ERSAME ANNA

ROTHBART IHRES ALTERS 46 IA[HR] VND GEWES

SENE EHENVD CHRISTLICH HIER[HER] BEGRAbEN

APOCAL A 14 C 13 V VND ICH [HOE]RTE EYNE

STIM VOM HIMMEL ZV MIR SAGEN S[CH]REYBE SE

LICH SIND DIE DOTEN DIE IM HERREN STERBEN

VON NVN AN IA DER GEIST SPRICHT DAS [S]IE R[V]

HEN VON IHRER ARBIT

Info zu den beiden Verstorbenen:

Der Schöffe und Kirchmeister Friedrich Knoche wurde um das Jahr 1634 geboren. Er heiratete um 1656 Anna Rotbart. Das Paar hatte 9 Söhne und 4 Töchter. Von diesen starben vor seinem Tode 3 Söhne und 2 Töchter.

Friedrich Knoche unterschreibt am 28. Feb. 1665 den Status Ecclesiae Meinertzhagensis (Die Katholiken erhoben Anspruch auf eine Reihe von Kirchen, Klöster und Kapellen. Um diese Forderung der kath. Seite entgegen zu treten, wurden die ältesten und glaubhaftesten Eingesessenen im Beisein des Pastors, des Richters und anderer Persönlichkeiten befragt).

In der Musterungsrolle 1676 wird er in der Dorf-Bauerschaft aufgeführt.

Inschrift der Grabplatte

Ergänzungen in [ ]

ANNO

1704 DEN 11 IAN

[IS]T DER WOLEHR

BARE IVNGER GES

IOHN FRIEDERICH

MEHLER IN CHRISTO

[S]EINEM ERLÖSER

[S]ELIG GESTORBEN

[V]ND HIEHIN ZV SEINE

HERN BEGRABEN

[AE]TATIS 22 IAHR

Info zu dem Verstorbenen:

Johann Friedrich Mehler wurde am 5. April 1681 als

Sohn des Kirchmeisters Johannes Mehler gebohren. Seine

Paten waren der Vikar Johannes Friedrich Schubeus aus

Gummersbach, der Schöffe Friedrich Knoche (die

Grabplatte hängt ebenfalls in der Kirche) und die Hausfrau

des Vikars Lemmer, die Catharina Mehler.

Johann Friedrich Mehler starb als Junggeselle.

ANNO 16 85 den

13 [IV]NY Ist Die

Ehr und Tugent

sahme Margreta

Hanebeck des Ehrn

achtbaren Johannß

Schürfeldes Ehe

fraw Im Herren

selig entschlaffen

Info zu der Verstorbenen:

Margareta Hanebeck wurde im Jahre 1642 geboren.

Am 12.10.1667 heiratete sie Johannes Schürfeld.

In der Ehe wurden 4 Söhne und 3 Töchter geboren.

Margareta Hanebeck starb mit 43 Jahren im Kindbett

auf dem Schürfelde. Bei ihrem Tode lebten noch

2 Söhne und 2 Töchter.

Oberes Feld Unteres Feld

HieR LieGT BeGRAB[EN] ZV………..ROH FORD DIE GeMeiN[DE]

HeRR iOHANN eBeRHART ZV……….HAUCH FORD Die SeiNeN

OSeNBeRG AVS RADe SCH[LA]F DieSeR LeHReR eiN

VORMWALDe GeBOHeN DeN [WI]R HieR ReCHT BeWeine

1748 1773 DeN 27 TeN DOCH [A]LLeS KLAGeN HILFeT VNS

MeRTZ ALS PReDiGeR Ni[CH]T NOR GOTT BLeiB

NACH MeiNeRTZ [U]NSeRe ZVVeRSiCHT

HAGeN GeKOMMeN

VND 1803 DeN 25

MeRTZ HieSeLBST

GeSTORBeN

Info zu dem Verstorbenen:

Johann Eberhard Osenberg (auch: Ossenberg) * 28.04.1748 in Radevormwald. Studierte in Jena. Erste Ehe am 12.07.1780 in Radevormwald mit Catharina

Inschrift der Grabplatte

Ergänzungen in [ ]

Elisabeth Klüting. Nach deren Tod 1781im Kindbett heiratete er am 12.07.1785 die Schwester Maria Catharina Klüting.

Pfarrer Osenberg kam als 2ter Pfarrer nach Meinerzhagen und wurde am 28.03.1773 ordiniert. Ab 1794 wurde er erster Pfarrer in Meinerzhagen. Von den fünf Kindern aus den beiden Ehen, lebten bei seinem Tode noch zwei Kinder.

Inschrift der Grabplatte

Ergänzungen in [ ]

 

 

 

 

 

 

 

 

Kirchenarchiv Meinerzhagen

000222 2020_03_11_17_40_22_035

Übersicht der Geschichte der evangelisch lutherischen Gemeinde Meinertzhagen

Die Gemeinde Meinerzhagen ist ohne große Wohlhabenheit, sondern die Bewohner, sowohl der Stadt als des Kirchspiels sind durchweg wenig begütert, und es gibt unter ihnen mehr Arme. Solches hat seinen Grund in dem kalten Clima mit zum Theil sterilem Boden, in dem vielen Unglück, welches öfterer Brand und Truppendurchzüge u. Mißjahre herbeigeführt haben und besonders in dem fast gänzlichen Mangel an allen Fab riquen und auswärtigem Handel. Für Holzcultur ist bis dahin auch wenig geschehen, und es ist ein großer Mangel an Holz=Streu, so daß sich außer den Bergen der adelichen Herren u. der Kirche nur wenige gute Berge in der Gemeine finden. Die Bewohner ernähren sich hauptsächelich vom Ackerbau, und suchen als Handwerker, besonders als Schmiede in den benachbarten Gemeinden Kierspe, Lüdenscheid, Halver etc, wo mehr Fabriquen sind, ihr Brod, dadurch, daß sie für Lohn schmieden und arbeiten. Ein Haupterwerbszweig, welcher noch das meiste auswärtige Geld hereinbringt, ist die Wirthschaft, indem in den Jahren 1788, 89 u. 1790, unter der Leitung des damaligen Bergraths, jetzigen Ministers von Stein, und des Oberinspectors Steinmeister die neue Chaussee durch den Ort und die Gemeinde nach Siegen und Frankfurth angelegt ist, welche viel Fuhrwerk und Passage veranlaßt hat. Es stehen jetzt nur noch 7 Osemunds Hämmer u. ein Raffinierhammer, 2 Osemunds Hämmer und ein Raffinierhammer in der Gänckeler Bauerschaft, 2 Osemundshämmer in der Wiebelsaat, ein Osemundshammer an der Lister, 1 Osemundshammer hinter dem Rothenstein, in der Gemeinde, und werden außer einem in der Gemeinde einsäßigem Klute zum Beckerhofe durch auswärtige Reidemeister betrieben. Früher muß hier wohl mehr Fabrique gewesen seyn, indem an der Imbach von Immecke bis zur untersten Mühle 7 Hämmer gestanden haben, wovon der letzte bei Kücks Häuschen u. Bouckens zu Immecke seine Wiese, der Hültehammer genant, 1770 noch gestanden hat. Jene Hämmer aber hatten nur ein Blasrad und das Eisen wurde aus der Hand geschmiedet. 1780 waren hier auch noch 3 Brandweisbrennereien, 1801 ein Essigbrauerei u. späterhin 2 Bierbrauereien und es besteht jetzt eine Brandweinbrennerei, seit 1817 von Caspar Schürfeld zum Redlendorf angelegt. An Schlächtern, Bäckern und Kleinkrämern fehlt es nicht. Es wird auch seit einigen Jahren hier mit Baumwolle nach Barmen gesponnen, welche Peter Schubbaeus im Schöppenhaus, Bremicker aus dem Gilhause, Ernst Bäcker im Burreshause, Wilhelm Schubbaeus in der Rose spinnen laßen, wobei ihre Kinder von 5 Jahren spinnen konnten, und wobei auf einem kleinen Rade 6 bis 9 Stränge täglich gesponnen wurden, wofür per Strang 1 ¼ bis 1 ½ Stbr. vergütet wurden. Noch sind her 2 Lohgärbereien und vor 3 Jahren ist hinter dem Rothenstein eine neue Mühle gebaut.

Die adelichen Häuser der Gemeinde sind Badinghagen, seit langen Zeiten der Familei von Nagel gehörend und zuletzt dem zuletzt in Cölln wohnenden von Nagel, der früher Amtmann in Hückeswagen gewesen und hier später lange gewohnt hat, gehörend; und ferner Listringhausen, welches nachdem im Jahre 1780 erfolgten Absterben des Died. Fried. Wilh. von Neuhof, genannt Ley, welcher der reformirten Religion zugethan war, anfangs auf den Herrn von Nagel zu Badinghagen, welcher die Güter der Ley angekauft hat, und welches demnächst auf den Herrn von Frentz, den Schwiegersohn des von Nagel, welcher in der französischen Zeit hier wohnte und Maire war, übergegangen ist. Beyde Herrschaften sind katholisch, und mit den andern wenigen Katholiken in Marienheide eingepfarrt, müßen aber nach einer alten Übereinkunft, durch von Nagel geschlossen, bei Beerdigungen auch die jura stolae hier in Meinertzhagen bezahlen, und an Opfertagenjeder wenigstens 1 stbr., jeder Katholik, opfern. Auch führe der hiesige Preiger, wie auch früher geschehen, das Personenstandsregister über der Katholiken seiner Gemeine, und es muß ihm daher von jedem Amtsfalle Anzeige gemacht werden.

Doe Policey=Wege am Schnüffel bis an den Rothenstein wurden 1822 und der von Scherl nach Valbert 1823, 1824, 1825 gemacht. Die Leitung der Anlage dieser Wege ist dem Bürgermeister Gerlach und deren Nivellierung dem hiesigen Scheffen Peter Ohler übertragen. 1824 ist auch das Eisenbergwerk bei Hösinghausen in Valbert durch Klauke und Trommershausen wieder angefangen, wo zuletzt 17749von Jacob Uhlenberg und dem Bergmann Peter Eisleben, welche beyde die Muthung nachgesucht hatten, worüber ein Streit und Proceß entstanden, gebergt ? war.1806 haben die Erben des Uhlenberg das Bergwerk Edmund Wever in Olpe für 500 Thlr. verkauft, welcher solches liegen laßen. 1824 ist von 2 Seiten die Muthung von neuem nachgesucht.

Es ist noch merkwürdig, daß hier die wegen der nachher anliegenden Fabriquen berührten Flüsse die Volle oberhalb dem Hofe Vollme, die Acher rechts von dem Hause Badinghagen, so wie auch die Lister und Ferse springen.

Der gegenwärtige Bürgermeister Gerlach hat einen Beruf als Bürgermeister nach Brilon im Jahre 1822, auch einen Beruf als Bürgermeister nach Iserlohn abgelehnt, und der Gemeinderath hat deßfals aus eigenem Antriebe seinem Gehalte, ungefähr in 400 Rthlr. bestehend aus Erkenntlichkeit noch 100 Thlr. zugesetzt.

Im Jahre 1780 hatte die Stadt Meinertzhagen 128 Feuerstellen und 138 regulaire Haushaltungen und mußte bezahlen an Accise 1362 Rthlr. 29 stbr., an Tabacksgeld 121 Rthlr., an Paraphen Geld 15 Rt. 30 stbr. und mußte 2 Last, 13 Scheffel, 9 Mezzen Salz jährlich nehmen. Nach einer 20jährigen Fraction der Geburtsjahre 1751 mithin 1770 sind bei der heisigen Gemeine geboren 78 Kinder und gestorben 53 Menschen jährlich. Mithin sind in den letzten 20 Jahren nach einem Fractions=Satze 7 Kinder jährlich mehr geboren als in den früheren 20 jahren, aber ebenso viele gestorben. Hierdurch läßt sich über die Vermehrung oder Verminderung der Gemeine urtheilen. Das stärkste Sterbejahr in diesen 40 Jahren ist gewesen das Jahr 1814, wo 133 Menschen gestorben sind, und wo hier nach den Durchzügen der russischen und anderen Kriegstruppen das Spitalsterben gewüthet hat. Vielleicht starben hier nie so viele Menschen in einem Jahre als in diesem Jahr gestorben sind.

Die Stadt Meinerzhagen hatte im Jahr 1824, wo hierüber von dem comittirten Scheffen Ohler genau Erkundigungen eingezogen sind, 97 Häuser, mit den Außenbürgern 116 Hausnummern und 174 Feuerstellen, und 810 Einwohner, wovon 402 männlichen und 398 weiblichen Geschlechts sind. Die Osterbauerschaft hinter dem Rothestein hat 29 Häuser und 41 Feuerstellen und 38 Hausnummern und 213 Einwohner, 115 männlichen und 98 weiblichen Geschlechts. Die Gänkeler Bauerschaft hat 55 Häuser, 74 Feuerstellen und 64 Hausnummern und 377 Einwohner, und davon 177 männlichen und 200 weiblichen Geschlechts. Die Osterbauerschaft hat 44 Häuser, 61 Feuerstellen, 54 Hausnummern, 315 Einwohner, 149 männliche und 166 weibliche. Die Lengelscheider Bauerschaft hat 74 Häuser, 96 Feuerstellen und 93 Hausnummern. Einwohner 467 und davon 210 männlichen und 257 weiblichen Geschlechts. Die Einwohnerschaft der ganzen Gemeinde betrug also nach einer richtigen Zählung im Jahre 1824 2182. Darunter sind 21 Katholiken, nämlich 7 in der Stadt und 14 aus dem Kirchspiel, und 2 Judenfamilien.

An Communalsteuer zahlte die Stadt 1824 238 Thlr. 4 Sgr. 9 Pf., das Kirchspiel 560 Thlr. 15 Sgr. An Grundsteuer zhalte die Stadt 485 Thlr. 3 Sgr. 4 Pf., das Kirchspiel 1868, 15 Sgr. 9 d.

Mit dem Jahre 1838 ist der verdienstvolle Bürgermeister Gerlach, dem die Bürgermeisterei sehr vieles zu verdanken hat, als Posthalter nach Olpe abgegangen und ist der Herr Bürgermeister Hattermann aus Anspach, früher Bürgermeister zu Winterberg und später und zuletzt in Marsberg und zugleich Feldwebel, wieder an seine Stelle eingetreten. Die mit der

Bürgermeisterei Meinerrtshagen bis dahin unter Gerlach verbundene Bürgermeisterei Valbert ist indessen seinem Schreiber, dem .Melchior aus Siegen übertragen.

1840 am 18. Juli ist der Herr Bürgermeister Hattermann, zugleich Lieutenant und Compagnie = Führer im Landwehrbataillon des 35ten Regiments, am Lungenbrande gestorben. Nach seinem Absterben ist dem Beigeordneten und Gerichtsscheffen Herrn Ohler hierselbst die Verwaltung des hiesigen Bürgermeisteramts vorläufig übertragen. 1846, am 1. Jan. ist Valbert und Meinertshagen zu einem Amte vereinigt und ist Melchior Amtmann geworden, der 1848 als Amtmann nach Wattenscheid abgegangen, worauf Posthalter Weyland hierselbst die Amtmannsstelle übernommen.

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