Stiftung Jesus-Christus-Kirche 

 

Archiv der Ev. Kirchengemeinde Meinerzhagen, Akte Nr. 169,

Drohender Einsturz dreier Kirchengewölbe 1785

 

                                                           ad Nat. 39 ? steht nicht in Vorlage

                       

Da unterm 3ten Juny dieses Jahrs und weiter in Consistorio beschloßen worden den Thurn hiesiger Kirchen reparieren und bewerffen[verputzen] zu lassen, auf folgende Art:

  1. An der untersten – oder Nord-Seithe über die Ecke bis oben an die Goßen [Abflussrinne=Dachrinne?] und Schall-Löcher und übern Schall Löchern vom Grunde an;
  2. Die gantze WestSeithe vom Grunde an aus unters Dach.
  3. Die Ober- oder Süd-Seithe auch aus zu bessern und zu bewerffen, Desgleichen an

      dieser Seithe die Fenstern bis übers Dach repariren. Desgleichen solte sich bey dieser        glten Arbeit befinden, daß einige Ancker angelegt werden müsten, müßen die             Außbohrungen der erforderlichen Löcher zu den Anckern mit geschehen. Auch wenn

4.   sich schadhaffte Flecken in der Mauer finden solten, müßen dieselbe ausgenommen,     und mit repariret werden. Solte aber, unversehener Weise, sich ein großer Fleck über      8 Fuß Kantig befinden, muß dem accordirenden MauerMeister, außer seinem Accord      [Vertrag] vergütet werden.

      Weiter, soll nach dem Schluß des Consistorii hinter dem Altar her, eine Thür in die         Sacristey gebrochen, Die Sacristey aufgefüllet, Ein Fenster in derselben größer   gemacht, Die Sacristey geweißet und was Mauer Werck angehet, in den Stand gesetzt      werden. Noch soll die Kirche geweiset und was Pliester Werck [=dass Verputzen]           angehet, auch wenn etwa ein Stein ausgefallen, wieder eingesetzet. Auch die Pilaren         [Säulen] nebst deren Steinen in den Fenstern angestrichen werden.

      Diese Arbeit hat der MauerMeister Anton Kesseler als Wenigstforderender Vor 145    Rt. schreibe Einhundert Viertzig fünf Rthlr. alt Cöllnisch Geld nebst einen Cronthaler   TrinckGeld unter folgenden Bedingungen erstanden:

  1. Der Kirchmeister muß Ihm alle Materialien als Kalk, Steine, Holtz, Farbe, Eysen zu den Trielen frey liefern.
  2. Die Arbeit muß Tüchtig und Probmäßig gemacht und läst der Meister Kesseler deswegen seinen halben Accord mäßigen Lohn ad 72 ½ Rthlr bis nach Verfertigtem Thurn-Bewerfen und reparirten Sacristey stehen. Doch so, daß Ihm vor und nach, während der Arbeit davon kan ausgezahlet werden. Von dem übrigen halben Accord mäßigen Lohn empfänget er vor und nach, wenn er die Kirche weißet, muß aber von dieser letztern Hälffte vier Louisdor in Golde, bis nach völlig berichtigter und Probemäßig befundener Arbeit einlassen.
  3. Den nötigen Sand muß der MauerMeister auswerffen, auch den nötigen Kalck einlöschen.
  4. Was dabey an Zimmer Arbeit Z. E. Trielen p.p. zu Verrichten nötig, muß der MauerMeister selbst thun.
  5. Der Thurn und die Sacristey müßen höchstens 14 Tage nach Michaelis dieses Jahres in den Stand gesetzet seyn. Mit dem KirchenWeißen wird erst im Frühjahr 1786 Anfang gemacht werden.                  Also an heute contrahirt und geschloßen, laut Interessenten eigenhändigen Unterschrifften

            Meinertzhagen den 29ten July 1785 

                                                                                              Hesmar, Pastor

                                                                                              J.E.  Osenberg, Past.

                                               AnDon Kesseler         Peter Jacob Bremicker Kirchmeister

                                                                       Johannes Henrich Langenohl Kirchmeistehr

                                                                       Diedrich Wilhelm Schröder, Vorsteher

 

 

Copia                                                 ad Nat. 36

 

Ein alter Kasten und ein altes schap [Schrank], so bishero in der Sacristey gestanden, sind anheute  nach vorher gegangener Ab Kündigung von der Cantzel an den meistbietenden zum Verkauff aus gesetzet und hat der Schreiner Friederich Vedder dieselben als meistbietender vor 5 Rt. 15 st. Erstanden, also geschehen Meinertzhagen den 23ten Sept. 1785

 

                                                                                              J.C. Hesmar pastor

                                                                                              J.E. Osenberg pastor

                                                                                   Peter Jacob Bremicker Kirchmeister

                                                                                   Johannes Henrich Langenohl Kirchmeister

                                                                                   Friederich Vedder

Daß Vorstehende Abschrifft

dem Original gleichlautend

Ist attestiert                M.H.Wever Scheffen

 

 

 

Copia                                                 ad Nat. 36

 

 

Unter heutigen Dato ist nach vorher gegangener Abkündigung etwas Bley alt Eisen und gehöltz zum Verkauff an den Meistbietenden aus gesetzt worden.

1)        Das Bley hat als Meistbietender a. 47 Pf. erstanden

                                                                                   Rt.  -  St.  -  d.

            Caspar Vogel das Pf. 4  ¾ stbr. macht            3        42       3

2)        Die alten fenster in der Saccristey

            hat Friederich Krugmann erstanden vor          -        13       -

3)        65 Pf. alten Eisens hat Friederich Neuhaus

            als Meistbietender erstanden das

            Pf. vor 2 ½ stbr.                                               2        42       6

4)        Das alte gehöltze hat erstanden

            Peter Krugmann außer sonstigen                    1          5          

                                                                                    7         42        9

            Laut Unterschrifften Meinertzhagen den 26ten Sept. 1785 

 

                                                                                   J.C. Hesmar pastor

            Peter Wilhelm                                               J.E. Osenberg pastor

            Krugmann                                                      Peter Jacob Bremicker Kirchmeister

            Friedrich Krugmann                                      Johannes Henrich Langenohl Kirchmeister

            Friedrich Neuhaus

            Caspar Vogel

 

Daß Vorstehende Abschrifft

dem Original gleichlautend

ist attestiert                M.H.Wever Scheffen

                            

 

Wir Endes unterschriebene MauerMeistern atdestiren hierduch, Daß wir auf befördern des Consistorii zu Meinertzhagen den ehemahls zur Erweiterung seines Kirchen Sitzes von dem Joh. Wilhelm Lüsebrink beschädigten Haupt Pfeiler in der Kirche zu Meinerzhagen besehen und visitiret so viel vor jetzo möglich gewesen, und dann diesen Schaden vor die Kirchen Gewölbe so gefährlich befunden, daß wenn nicht eyligst demselben auf die füglichste Art abgeholffen werde, der Einsturz 3er Kirchen Gewölbe zu befürchen seye. Laut unserer Unterschrifft

Meinertzhagen den 7ten October 1785

 

                                                                                   Andon Kesseller

                                                                                   Johann Hermann O……..Quabicker?

 

 

                       

                                                                                              Praes. d. 23ten Jan. 1798

 

Dem Magistrat zu Meinertzhagen wird abschriftlich hiebey ein Bericht des Steuer Raths Eversmann vom 1sten d. wegen des seiner Meinung nach den Einsturz drohenden dasigen Kirchen Gewölbes mit der Auflage communicirt, die angezeigte Baufälligkeit des Gewölbes durch Wercks-Verständige untersuchen zu laßen und nöthigen falls einen andern Versammlungsort aus zumitteln.

Emmerich im Regierungs Rath den 9. Jan. 1798

                                                                                   V Rohr

 

An

den Magistrat zu Meinerzhagen

No: 34       H.L.

 

 

                                  

                                                                                   paraf. d. 23ten Jan. 1798 (wo steht das?)

 

            Allerdurchlauchtigster p.p.

Wehringhausen den 1. Jan. 1798

 

Das Gewölbe der Meinertzhager Kirche, deren Thurm und Dach bekanntlich herunter gebrannt ist, wird nach dem was ich davon höre immer baufälliger, da es freiliegt, hat es der Regen durchnäßt und die Jetzige naße Witterung nach Vorgängiger Frost muß demselben einen beträchlichen Schaden zugefüget haben. Es bröckelt Jezt beständig ab, und aus einem Bogen soll schon ein Stein herausgefallen seyn, keine Folge kan natürlicher seyn, als daß eine eintretende Kälte oder Trockenheit das Material zusammen zieht und dadurch das überstehende gesammlete Regenwaßer die Verbindung aufgehoben seyn muß, so steht sehr zu befürchten daß das ganze Gewölbe in Kurzem herunter stürzt, und zwar gerade zur Zeit des Gottesdienstes, wo der erschüttende Gesang und der Schall der Orgel eine zunächst wirckende Veranlassung wird: schrecklich wäre es, wann alldann das Gewölbe zusammen stürzte und der größte Theil der Bürgerschaft und der übrigen Gemeine auf einmahl ihr Grab fände.

Zwar soll der Land-BauMeister Pistor das Gewölbe besehen haben, aber wann derselbe auch Kenntniß genug davon hat, (und es ist sehr schwer, und wohl unmöglich an einem übertauchten Gewölbe, dem man nicht einmahl beykommen kan, den Grad seiner Festigkeit zu beurtheilen) so ist doch seit Jener Zeit so viel Regen und Kälte auf das ungedeckte Gewölbe eingefallen, daß von einer damahligen Besichtigung kein sicherer Schluß auf seine Jezigen Zustand gezogen werden kan.

Ich halte es für meine Schuldigkeit Ew. Königl. Maj. davon beyzeiten Anzeige zu thun, und trage Allerunth. darauf an, daß der Gottes-Dienst in der Kirche so lange eingestellt werde, bis das Gewölbe abgetragen oder zusammengeschlagen und die Kirche mit Holz gebalkt seyn wird, ich verharre p.

 

                                                                       Ew. Königl. Majs.

 

                                                                                                          Eversmann

 

 

1798    Meinerzhagen Im Consistoro

 

Würde beschlossen daß unparteische Wercks Verständige unsere diesige ab ver brante Kirche solte unter suchet werden ob daß gewölbe könte ohn gefahr stehen bleiben oder nicht.

Darzu sind bestimmt worden vom Consistorio Caspar Nöll als Baumeister, Peter Becker MauerMeister und Christoffel Gresse [Greffe?] als Zimmeister. Wir bemelden dem Consistoro wie wir es befunden haben daß Mitelstück von dem Gewölbe bevor dem Coer ist würcklich Ein gefallen und die drey Mitenbogen durch die Kirche die drohen dem Würcklichen Einstürtz.

Und daß gewolbe boven [=über] der orgel könte stehen bleiben und die seidt Gewöhlbe so wohl auff dem Cohr als auch neben der Kirche könten stehen bleiben. Die beiden schwickbogen [gewölbte Steinbögen] neben dem cohr müssen stehen bleiben weil oben das Dach darauff ruhet und wardt daß Chlepe thürnigen [=Türmchen?] darauff berühen muß. An den seidt gewölben sind zwey schwickbogen die müssen repariret werden.

 

 

 

Berechnung und Bauanschlag, zu einem Hölzen Gewölbe, in die Kirche und das Chor zu Meinerzhagen.

 

                                   1) Bau-Holz                                                   Rthr.    Stbr.

Das da zu erforderlige gehölze beträgt noch bei liegender

Holz Nota circa 4659 fuß. Von jedem 100. fuß vor den

Zimmermann wen er es an nimbt, zu behauen, zu schienden,

zu verbauen, und auf zu richten 4 Rthlr ---- gilt -----                       186

Dieses gehölze erfordert, zu verbauen, und aufzurichten;

weid mehr zeit, als wan das Dach-Werck, der Kirchen und

des Chors noch nicht aufgerichtet währ.

 

                                   2) Maurerarbeit

Die alten steinen Gewölber ab zu brechen mit dem dazu

gehörigen gerüste zu machen                                                             18

Die neben Gewölber gud und dauerhaft zu Reperieren                     14        30

Die Gerüste in die Kirche und das Chor zur Verfertigung

Der neüen Decke zu machen                                                              12        40

Die Kirche und das Chor zu bewicklen, wie auch alle palsteren

aus zuhauen und in gehörigen Leimen zu stellen                               50        20

Sechs Fenster, an den seitmauren der Kirchen zu brechen weiter

und höher und wieder zu verfertigen                                                20          30

Die Kirche mit Haar Kalk und Sant an den Seitmauren, und in

der Decke zu überziehen, auch in der Decke ein Gesimse zu

machen als ein Rundstap mit zwey Platten. Dieses alles bis

in reine zu verpuzen                                                                           45        30

Die nebenGewölber eben so wie die Kirche, bis ins reine zu

verpuzen                                                                                             36        40

Daß Chor welches das gröste theil von inhalt ist, eben so wie

die Kirche an den Seitmauren, und in der Decke mit einem

Gesimse zu verfertigen, und was an den Seitmauren des Chor

zu reperieren ist, das alles bis ins reine zu verfertigen                       59        40

Daß Haupt gesimse, in der Kirchen und dem Chor, unter der

Hohlkähl an der mauren, welches an füglisten [=am besten]

von Holz gemacht wird.

                                                                                                   .        36                               

                                                           Summa                                   479        50

                                   Johan Henrich Heyden

 

NB. Wan an den Seitmauren der Kirche eine Reperatur

Vorfallen solte, welches vor dem abbrechen der Gewölber

nicht einzusehen wahr, bleibt Extra, und alle Bau

matrialihen müßen frei auf den platz gegeben werden, auch

ist der Schudt von den alten Gewölbern nicht in anschlag

gebracht wech zu schaffen.

 

 

 

 

            Holz Nota zu dem Bälcken, des Chors und              Länge   Breite   Dicke   Summa                       der Kirchen zu Meinerzhagen                          Fuß         Zoll       Zoll    der Fuß

Stück

 

26        Balken über die Kirche                                               30             8               7            780

12        Schwellen worauf die Balken ruhen                           12             9               8            144

74        Bogen zur Holkehl                                                      10             6               6            740

  6        Schwellen worauf die Bogen ruhen                            20             7               6            180

  1        Dräger                                                                         57           12               9              57

30        Strepbände zu den Hänkwerk                                     10             7               6            300

 

                        Zum Chor

18        Balken                                                                         30             8               7            540

26        Balken                                                                         15             8               7            390

12        Schwellen worauf die Balken ruhen                           14             9               8            168

80        Bogen zur Holkehl                                                      10             6               6            800

12        Schwellen worauf die Bogen ruhen                            15             6               6            180

  3        Dräger zu sahmen                                                       80           10               9              80

            Zu den Hänckwerk circa                                                              7               6            300

                       

                        Johann Henrich Heyden                                            Summa                     4659